Wer wird sie künftig reparieren?

Und alles, was mechanisch ist, muss gewartet werden. Die Zahnräder, Triebe und Federn müssen gelegentlich gesäubert und geölt werden. Das sollte von einem Uhrmacher durchgeführt werden.

Von SJX

Angesichts des rasanten Wachstums des Markts für Luxusuhren in den vergangenen zehn Jahren befindet sich weltweit eine Unmenge hochpreisiger Uhren im Umlauf. Es gibt wohl Zehntausende Tourbillon-Armbanduhren und die meisten von ihnen wurden in den vergangenen 20 Jahren hergestellt. In den kommenden 20 Jahren müssen sie gewartet werden.

Zeitmesser – zumindest solche, die bei den Sammlern begehrt sind – sind mechanische Gegenstände. Und alles, was mechanisch ist, muss gewartet werden. Die Zahnräder, Triebe und Federn müssen gelegentlich gesäubert und geölt werden. Das sollte von einem Uhrmacher durchgeführt werden. Eine sachgemäße Wartung erfordert vor allem Zeit und zwar nahezu so viel Zeit wie für die Montage und Regulierung eines von Grund auf neuen Uhrwerks erforderlich ist (und dies beinhaltet nicht die Fertigung).

Im Laufe des nächsten Jahrzehnts müssen alle diese teuren, komplizierten Zeitmesser gewartet werden. Was wird passieren? Bereits heute ist die Wartung einer Luxusuhr teuer. Die Wartung einer Uhr, deren Preis weniger als 10 000 Dollar beträgt, kostet einige Hundert Dollar. Bei einer Uhr, deren Preisschild einen sechsstelligen Betrag aufweist, kostet die Wartung hingegen mehrere Tausend Dollar. Das ist nicht nur teuer, sondern nimmt zusätzlich auch sehr viel Zeit in Anspruch. Die Wartezeit beträgt üblicherweise mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate. Auch wenn das eine absurd lange Zeit ist, fügen sich die Sammler demütig. Denn die Elfen, welche die meisterhaften Zeitmesser hervorbringen, arbeiten in ihrer eigenen Geschwindigkeit.

Die Folgen lassen sich leicht vorhersehen. Weil die Beschäftigungssituation in der Uhrenbranche angespannt ist, werden die Kosten für eine Wartung steigen und die Wartezeiten immer länger. Momentan ist es so, dass die meisten Uhrenunternehmen viel mehr Ressourcen in die Produktion stecken als in den Kundendienst. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Arbeitskräfte als auch der Investitionen.

Uhrenmarken verkünden häufig umfassende Investitionen für die Produktionskapazität (um Dinge „intern” machen zu können). Der Kundendienst hingegen wird nur selten gewürdigt. Die Kundendienstabteilungen (in der französischsprachigen Uhrenindustrie auch als SAV bekannt, entsprechend der Abkürzung von service après-vente) verblassen beim Besuch einer Uhrenmanufaktur schon heute angesichts der Größe des Produktionsbereichs.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden mehr Luxusuhren als je zuvor verkauft. In den kommenden zehn bis 20 Jahren müssen diese gewartet werden. Die Schweiz exportierte 2014 fast 29 Millionen Zeitmesser, darunter mehrere Zehntausend hochpreisige, komplizierte Uhren. Insgesamt werden in den kommenden Jahrzehnten mehrere Hunderttausend solcher Uhren in Umlauf sein.

Das Ungleichgewicht zwischen Produktion und Kundendienstkapazität ist ein Problem, das in die nahe Zukunft verschoben wird. Die Besitzer edler Zeitmesser werden schließlich die Folgen zu spüren bekommen, sofern die Uhrenmarken nicht bald etwas unternehmen.